Banner
27.04.2019

Renaturierung des Mühlgrabens in Erfurt (Kopie 1)

Deich am Cusanushaus

Der Mühlgraben ist ein Gewässer 2. Ordnung im Stadtgebiet von Erfurt und ein wichtiger Hauptvorfluter für den Ortsteil Gispersleben. Unterhalb der Querung der Gera durch die Straße der Nationen, im Fkm 16 der Gera, wird der Mühlgraben von der Gera ausgeleitet, um auf Höhe des Kilianiparks, im Fkm 15 der Gera, dieser wieder zu zufließen. Im Bestand war die Linienführung des Mühlgrabens überwiegend geradlinig, die großteils eingetiefte Sohle zumeist verbaut, ebenso die Ufer. Die Durchgängigkeit war in mehreren Bereichen vor allem für Jungfische

Ziel der Gewässerrenaturierung im Auftrag der Stadt Erfurt war die Einbindung des Gewässers in das Naherholungsgebiet Nördliche Geraaue im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2021 in Erfurt, die Umsetzung von strukturverbessernden Maßnahmen, der Erhalt bereits vorhandener wertvoller Biotopstrukturen sowie die Herstellung der Durchgängigkeit, um einen guten ökologischen Zustand nach EU-WRRL zu erreichen. Tractebel Hydroprojekt GmbH wurde durch die Stadt Erfurt beauftragt mit den Grundleistungen Leistungsphasen 1 bis 9 nach HOAI für die Leistungsbilder Ingenieurbauwerke und Freianlagen, dem Landschaftspflegerischen Begleitplan mit integriertem Artenschutzfachbeitrag und der UVP-Vorprüfung, dem hydraulischen Nachweis am 2-D-Modell, der örtlichen Bauüberwachung und der ökologischen Baubegleitung. 

Mit der Planung wurde das Längsgefälle des Mühlgrabens in mehreren Abschnitten durch Aufhöhung bzw. Eintiefung so verändert, dass die Forderung nach Längsdurchgängigkeit in beide Richtungen erfüllt wurde. Kleinere Variationen des Längsgefälles im Gewässerlauf stellen zudem die Strukturvielfalt sicher. Mit Hilfe einer ca. 50 m langen Sohlgleite in Riegel-Becken-Bauweise konnte die Durchwanderbarkeit für Fische auch im steileren Abschnitt hergestellt werden.

In zwei Bereichen wurde der Mühlgraben zur Aufwertung der Linienführung von unmittelbar angrenzenden Privatgrundstücken abgerückt und in die umgebende Parkanlage hinein verlegt. Sohlund Uferverbauungen wurden weitgehend entfernt und zusätzliche Strukturen eingebaut (Vegetationswalzen, Fischunterstände, kleine Buhnen zur Initiierung von Gewässerdynamik etc.). Steile Ufer wurden für eine Erlebbarkeit des Gewässers teilweise abgeflacht und die Ufer insgesamt mit standortgerechten Gehölzen sowie Wiesen und Hochstaudenfluren begrünt. Der Altbaumbestand wurde dabei soweit möglich erhalten. Für den Eisvogel als Bewohner steiler Uferabbrüche wurde zum Ausgleich eine Eisvogelwand im Altlauf angelegt.

Die im September 2018 begonnenen Bauarbeiten werden voraussichtlich im April 2019 mit der Pflanzung abgeschlossen sein. Bis Ende 2021 wird noch die Überwachung der Entwicklungspflege der Pflanzung erfolgen. 

Franka Ludwig, Christian Klaua – Weimar