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28.05.2020

Hochwasserrückhaltebecken stoppt Fluten der Wipper

Das neue Absperrbauwerk

Mehr als zwanzig Orte an der Wipper wird ein neues Hochwasserrückhaltebecken vor Überflutung schützen. Das ökologisch durchgängige Bauwerk kann bis zu 4,25 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten. Die Tractebel Hydroprojekt GmbH ist seit 2013 als Generalplaner für dieses anspruchsvolle Dammbauprojekt tätig und überwacht den Bau.

Viele Ortschaften entlang der Wipper leiden unter Hochwasserereignissen. Die Schäden der letzten Jahre ergeben einen zweistelligen Millionenbetrag. Ein neues Rückhaltebecken, dass für Fische und andere Lebewesen passierbar ist, wird Abhilfe schaffen. Das Projekt ist ein Baustein der Hochwasserschutz- Konzeption für die Wipper, die ein Einzugsgebiet von 621 km² Fläche bis zur Mündung in die Saale oberhalb von Bernburg umfasst. Am Oberlauf der Wipper, direkt oberhalb der Ortschaft Wippra im Landkreis Mansfeld- Südharz, entsteht das gesteuerte Hochwasserrückhaltebecken (HRB) mit einem ökologisch durchgängigen Durchlassbauwerk. Im Jahr 2013 beauftragte der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt Tractebel Hydroprojekt GmbH mit der Generalplanung zum Neubau des HRB Wippra ab der Ausführungsplanung. Die Wasserbau-Experten von Tractebel Hydroprojekt optimierten die vorliegende Entwurfsplanung und erstellten die Ausführungs- und Ausschreibungsplanung für vier Lose. Modellversuche an der Technischen Hochschule Nürnberg bestätigten die hydraulische Funktion der Lösung, die das Team für das komplexe Durchlassbauwerk empfahl.

Die Hauptarbeiten begannen im Juni 2014 und dauerten bis Ende 2019. Der feierliche Baubeginn mit Grundsteinlegung fand im Beisein des damaligen Umweltministers von Sachsen-Anhalt Hermann Onko Aeikens und weiteren Vertretern aus Politik, Verwaltung, Planung und Bauwirtschaft am 23. September 2014 statt. Verschiedene vorbereitende Maßnahmen gingen dem Baubeginn voraus, darunter der Ersatzneubau der Wipperbrücke, der Abbruch des alten Wasserwerkes Wippra, Holzungsarbeiten, Gehölzpflanzungen und Artenschutzmaßnahmen. Das neue Absperrbauwerk besteht aus einem Damm mit Durchlassbauwerk, in dem die Betriebsauslässe und die Hochwasserentlastung integriert sind. Die Dammkrone liegt 17 m über der Talsohle und ist 190 m lang, der Dammfuß misst 120 m Breite. Rund 8.000 m³ Beton und Stahlbeton sowie 1.600 t Bewehrungsstahl wurden hier verbaut. Der Steinschüttdamm mit geneigter Innendichtung besteht aus 150.000 m³ Schüttmaterial. Das Stützkörpermaterial stammt aus einem neu erschlossenen, nahen Steinbruch im Tal der Wipper. Tractebel Hydroprojekt erarbeitete die Standsicherheitsnachweise und plante die Felssicherung. Das Expertenteam übernahm auch die geotechnische Baubegleitung einschließlich des messtechnischen Monitorings. Mit der Übergabe des Probestauprogramms und der vorläufigen Betriebsvorschrift macht es den Weg frei für die geplante Inbetriebnahme des Beckens in 2020.

Lars Schaarschmidt, Steffen Hagenloch – Weimar