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20.01.2020

Ausbau der Wasserkraftanlage Gogo in Kenia

Innenansicht des Krafthauses

Die bestehende Wasserkraftanlage Gogo liegt im Bezirk Migori im Südwesten Kenias am Kuja River in der Nähe des Victoriasees. Das im Jahr 1958 in Betrieb genommene Gogo Wasserkraftwerk mit einer Fallhöhe von etwa 20 m und einem derzeitigen Ausbauabfluss von 11 m³/s hat eine installierte Leistung von 2 MW.

Die Kraftwerksanlage besteht aus einem Schwergewichtsdamm, einer unterirdischen Triebwasser- und Druckrohrleitung mit zwischengeschaltetem Wasserschloss und einem Krafthaus mit zwei baugleichen Kaplan-Turbinen. Das Wasser für den Kraftwerksbetrieb wird dem durch den Damm aufgestauten Kuja River entnommen.

Während des mittlerweile sechs Jahrzehnte andauernden Kraftwerksbetriebes ist das Staubecken nahezu komplett verlandet, was gerade in Trockenzeiten zu einer Beeinträchtigung der Energieerzeugung der Anlage führt. Zudem ist die gesamte maschinen- und elektrotechnische Anlagentechnik, wie Turbinen, Generatoren und Verschlusselemente, sehr veraltet und schadhaft.

Aus diesen Gründen können aktuell nur etwa 1 MW Kraftwerksleistung generiert werden. Zudem verzeichnet die etwa 20 km lange 33 kV-Stromleitung, die das Krafthaus mit dem Umspannwerk Awendo verbindet, regelmäßige Ausfälle, zum Teil mehrmals am Tag. Der staatliche Energieversorger und Betreiber Kenya Electricity Generating Company (KenGen) beabsichtigt den Kraftwerksstandort zu erneuern und auszubauen, um der steigenden Energienachfrage in der landwirtschaftlich geprägten Region Südwestkenias nachzukommen.

Hierfür initiierte KenGen, in Kooperation mit der Delegation of the European Union to Kenya (EU) das Projekt einer Vormachbarkeitsstudie zum Ausbau der Wasserkraftanlage Gogo (Pre-feasibility study for the upgrading of Gogo Hydropower Plant). Im April 2019 wurde das Konsortium SAFEGE – Tractebel Hydroprojekt GmbH mit der Durchführung dieser Vormachbarkeitsstudie beauftragt. Ziel der Studie war, für einen Ersatzneubau den optimalen Ausbaugrad am Kraftwerksstandort Gogo zu ermitteln.

Hierzu wurden als Basis für die Planungen zunächst Untersuchungen zu Hydrologie, Geologie und Geotechnik durchgeführt. Ein lokaler Subunternehmer führte für das Konsortium zusätzliche Vor-Ort-Vermessungen durch. Anschließend wurden zahlreiche technische Varianten für die Erneuerung und Erweiterung der Anlage entwickelt. So wurden z. B. verschiedene Damm- und Krafthausstandorte, verschiedene Dammtypen und Dammhöhen sowie unterschiedliche Ausbauabflüsse und Turbinenarten eingehend untersucht.

Die technischen Planungen ergaben, dass am Kraftwerksstandort Gogo eine Erhöhung der Ausbauleistung auf bis zu 20 MW möglich ist. Unter Einbezug von einheimischen Ingenieuren wurden außerdem Teilstudien zum Energiemarkt und zum Stromnetz in Kenia sowie zu den naturschutzfachlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Projektvorhabens erarbeitet (PESIA- Study). Während der Planungsphase wurden zudem zahlreiche Ortsbesichtigungen durch Fachingenieure von Tractebel durchgeführt. Seit Dezember 2019 befindet sich die Studie in ihrer finalen Phase. Die Abschlussvorstellung der Studie bei den Kunden KenGen und EU in Nairobi ist für Mitte Januar 2020 vorgesehen.

Matthias Feldmann – München

Damm von der Luftseite