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28.05.2018

Abdichtung des Schwaigwaller Bachs in Geretsried

Bestehendes Bachbett im Wald nördlich von Geretsried (Blick Richtung Unterwasser)

Der ehemals verrohrte Schwaigwaller Bach wurde von der Stadt Geretsried aus Gründen des Hochwasserschutzes in zwei Bauabschnitten (1999 und 2011) geöffnet und teilweise nicht abgedichtet ausgeführt (siehe Foto). Es wurde dabei davon ausgegangen, dass sich die Bachsohle im Laufe der Zeit selbst abdichten würde. Seither behaupteten Anlieger im „Blumenviertel“ im Stadtteil Geretsried Nord, vermehrt eindringendes Grundwasser in den Kellern zu beobachten. 

Die Lahmeyer Hydroprojekt GmbH hatte im Jahr 2016 auf Basis umfangreicher hydrologischer Messungen ein instationäres numerisches Grundwassermodell mittels der Software FEFLOW 6.2 angefertigt. Dieses hatte bestätigt, dass das Wasser im Schwaigwaller Bach, das im Bereich nördlich der Blumenstraße aufgrund der hohen Durchlässigkeit des anstehenden Untergrunds in hohem Maß versickert, den Grundwasserspiegel in diesem Bereich ungünstig beeinflussen kann.

Um künftig einen schädlichen Grundwasseranstieg zu verhindern, wurde seitens der Stadt Geretsried beschlossen, den Bach im Abschnitt Blumenstraße bis zur Mündung in die Isar auf einer Gesamtlänge von rund 1.350 m im Rahmen einer Unterhaltungsmaßnahme vollständig abzudichten und die hydraulische Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Lahmeyer Hydroprojekt wurde daraufhin mit der Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung der hierfür notwendigen Maßnahmen sowie mit der Durchführung der grundlegenden hydraulischen Abflussberechnungen beauftragt. Aufgrund der Lage des Bachs im Wald- und gleichzeitig Naherholungsgebiet galt es dabei, den Umfang des Eingriffs auf ein minimal notwendiges Ausmaß zu beschränken.

Die Simulationsergebnisse des zweidimensionalen Abflussmodells, das mittels der Software HYDRO_AS-2D erstellt wurde, zeigten auf, dass der Gerinnequerschnitt in Teilstrecken keine ausreichende Uferhöhe besitzt, um den Bemessungsabfluss (HQ100 = 7,9 m³/s) abzuführen. Dadurch werden große Flächen  neben dem Bach überflutet und tragen so potenziell verstärkt zur Versickerungsproblematik bei. Neben der reinen Abdichtung des bestehenden Bachbetts sind daher zusätzlich Uferaufhöhungen bis hin zu Gerinneneumodellierungen erforderlich.

Als Abdichtungssystem kommen geosynthetische Tondichtungsbahnen („Bentonitmatten“) zum Einsatz (siehe Grafik). Wegen der abschnittsweise steil geneigten Böschungen wird in den betroffenen Bereichen zusätzlich ein Geogitter als Bodenbewehrung angeordnet. Die im Anschluss an die drei vorhandenen Brücken errichteten Böschungssicherungen aus Trockenmauern müssen abgetragen und nach Einbau des Dichtungssystems wiederhergestellt werden. Die Bauarbeiten müssen dabei größtenteils innerhalb des bestehenden Bachbetts erfolgen. Die Uferbereiche werden nach Fertigstellung der Baumaßnahmen außerhalb des Abdichtungssystems standortgerecht bepflanzt.

Mit den Bauarbeiten wurde Mitte April 2018 begonnen. Die Fertigstellung ist bis längstens Ende August 2018 geplant. Lisa Heidler, Bernhard Ebner – München